Von Kräuter, Pferden und Fachwerkhäusern – Kurzurlaub für die Sinne entlang der HandwerkErlebnisroute Mittleres Fuldatal (Teil 3)

Dankerode Damensattel Ritt
Reiten im Damensattel auf Gut Dankerode. Foto: Martina Emmerich

Neben den produzierenden Betrieben entlang der HandwerkErlebnisroute Mittleres Fuldatal gibt es auch verarbeitende Betriebe und Orte zu entdecken, die besonderes Kulturgut bewahren. Einmal unterwegs, lohnt sich auch ein Abstecher in die benachbarte Fachwerkstadt Melsungen.

Wer wie ich schon den Tannenhof als produzierenden Betrieb kennengelernt hat, der interessiert sich sicherlich auch dafür, wo die dort angebauten und getrockneten Kräuter anschließend beispielsweise hinkommen:

Berglandkräuter aus Hessen

Seit 1995 kann man aus Hessen auch Berglandkräuter erhalten. Monika Rehs und Ute Kern haben sich in einem alten Bauernhof mit Scheune im Bebraer Ortsteil Braunhausen den aromatisch duftenden Pflanzen verschrieben. Lose sind 40 Tee- und 40 Gewürzkräuter erhältlich, dazu diverse Mischungen, abgepackt ist die Auswahl etwas kleiner. Teemischungen werden nach bewährten Rezepten selbst hergestellt und in einer Mischtrommel – immer 20 Kilogramm pro Mischung – von Hand gedreht. Die Gewürzmischungen werden in Zehn-Kilogramm-Tonnen abgefüllt, einzeln eingefüllt und durchs Lager gerollt. Lose Ware wird beispielsweise als Brotgewürz an Bäckereien, an Fleischereien oder an „Kräuterfrauen“ verschickt. Einige Lieferanten kommen aus Nordhessen und aus dem Taunus, dazu aus Niedersachsen, Franken und Rheinlandpfalz, die meisten Kräuter kommen jedoch direkt vom Tannenhof. Exotische Zutaten wie beispielsweise Zimt werden natürlich importiert.

Bergkräuter 2 Frauen
Monika Rehs und Ute Kern kennen sich mit ihren aromatischen Kräutern bestens aus. Foto: Martina Emmerich

Die Rezepturen ihrer Mischungen haben die beiden Kräuterfrauen selbst zusammengestellt, dazu probieren sie auch gern Neues aus und recherchieren. Monika Rehs ist zuständig für Einkauf und Vertrieb, Ute Kern für den Shop, die Buchhaltung und Messebesuche.
Teemischungen werden mehr nachgefragt als Solokräuter, die absoluten Renner sind dabei „Ein Sommertag“ (aus rein hessischen Kräutern) sowie „Abendstern“. Ein besonderer und sehr aromatischer Tee ist auch das „Steh-auf-Teechen“ mit Basilikum, Majoran, Rosmarin, Pfefferminze und Drachenkopf.
Renner-Gewürze sind die „Kräuter der Provinz“ und das Kräutersalz sowie sortenreiner Zimt und Paprika, die beiden Letztgenannten stammen zwar nicht aus Hessen, aber haben Bio-Qualität. Auf Märkten werden neue Produkte immer zum Verkosten angeboten. Gruppen können nach individueller Anfrage gern auf dem Kräuterhof vorbeikommen und diesen besichtigen.
Der Betrieb ist langsam, aber stetig gewachsen, und die beiden „Kräuterfrauen“ machen immer noch alles selbst – sowohl das Mischen der Kräuter als auch der Kundenkontakt sind ihnen wichtig.

Berglandkräuter Auswahl
Solo-Tees sind gefragt, Teemischungen sogar noch beliebter. Foto: Martina Emmerich

Beim Slow-Food-Festival „Nordhessen geschmackvoll“ in Melsungen, dessen Teilnehmer etwas mit Gesundheit, Bio und Nachhaltigkeit zu tun haben müssen, sind die Kräuterfrauen am 14. Oktober 2018, von 11 bis 17 Uhr, ebenfalls dabei. Darüber hinaus findet man das Berglandkräuter-Angebot deutschlandweit in Hof- und Naturkostläden sowie Eigentümergeführten Supermärkten. Ganz einfach ist zudem der Einkauf im Internetshop, wo der Bestellung zudem immer kleine Mustertütchen beigelegt sind.

Gut Dankerode
Etwas ganz Besonderes bietet das Gut Dankerode in der Nähe von Rotenburg an der Fulda pferdebegeisterten Mädchen und Frauen: Sie können sich hier einen Traum erfüllen und das Reiten im Damen- bzw. Seitsattel erlernen. Einen Schnuppertag mit einer theoretischen Einführung ins Reiten im Damensattel samt Geschichte und Sattelkunde sowie anschließendem zweistündigen Reittraining gibt es am 16. September 2018. Dabei sitzt man gerade, hat aber beide Beine auf der linken Seite.
Das Hofgut kann auf eine schon fast 300-jährige Geschichte zurückblicken. 1962 übernahm Gudrun Sauerbeck den Hof und begann erstmals mit der Pferdezucht, baute eine Reithalle und fing mit dem Reiten im Damensattel an. Sylvia Parduhn kam 1989 aus Nordrhein-Westfalen hierher, zunächst um am Wochenende einen Ausgleich zum Berufsalltag zu finden. Schließlich gefiel es ihr aber hier so gut, dass sie seit nunmehr 17 Jahren das Damensattelreiten unterrichtet. Sie ist gelernter Pferdewirt, hat einige Dressur- und Springturniere absolviert und ist selbst bei Shows wie Appasionata mitgeritten. Die ReiterInnen des Gutes Dankerode treten auch heute noch in Shows auf, dann oftmals in historischen Kostümen.

Dankerode Damensattel
Reiten im Damensattel kann man auf Gut Dankerode erlernen. Foto: Martina Emmerich

Mittlerweile hat das Gut Dankerode 28 Pferde, darunter fünf Friesen. Diese sind besonders leicht im Umgang, sehr personenbezogen und sensibel – eben echte Familienpferde. Die Tiere werden hier noch mit 35 Jahren im Schulunterricht eingesetzt, da sie schonend gehalten werden. Neben den Friesen gibt es auch Shetlandponys, welche bei Zirkuslektionen eingesetzt werden, vor der Kutsche laufen sowie am Zügel geführt werden können. Nachts sind die Pferde auf der Koppel, morgens werden sie wieder in den Stall geholt.
Neben dem Reiten als Kerngeschäft bietet Ellen Konrad seit dem vergangenen Jahr Pferdegestütztes Coaching an. Dazu gehören z.B. Seminare für Führungskräfte oder zur Teambildung, für Mütter, Erzieher oder „starke Mädchen“ (letzteres richtet sich an zehn- und elfjährige Mädels). Außerdem verfügt das Gut Dankerode über zehn Ferienwohnungen und Kinderwohnungen sowie ein Atelier für das Damensattelreiten.
Auf der Suche nach einer Stärkung wird man schließlich in der Gutsherrn Klause fündig, die seit über zehn Jahren von Pächterin und Köchin Annett Kleinefeld betrieben wird. Besonders bekannt ist das Gasthaus für seine Schnitzel, die hier in 17 verschiedenen Variationen angeboten werden. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Tages- und Monatsempfehlungen sowie eine gut sortierte Whisky-Auswahl. Zu den 35 Plätzen in der Gaststube kommen noch ein Nebenraum mit 70 Plätzen sowie ein gerade an warmen Tagen gern besuchter Biergarten.

Melsungen 

Melsungen Fachwerk
Zahlreiche hübsche Fachwerkhäuser prägen das Zentrum Melsungens. Foto: Martina Emmerich

Nach vielen Köstlichkeiten und Einblick in spannende Handwerksarbeiten auf dem Land führt der Weg zurück in eine Stadt. Der Luftkurort Melsungen im Schwalm-Eder-Kreis ist mit seinem mittelalterlich geprägten Zentrum und seinen zahlreichen Fachwerkhäusern einen Ausflug wert. Besonders anschaulich wird Besuchern die Stadt bei einer Führung nähergebracht. Peter Reinhardt, dessen Hobby die Geschichte und im Besonderen das Fachwerk ist, ist dafür als einer von zwölf ehrenamtlichen Stadtführern im Einsatz.

Melsungen Gänsemarsch
Peter Reinhardt, hier bei der berühmten Melsunger Gänseliesel, ist einer der ehrenamtlichen Stadtführer. Foto: Martina Emmerich

Nach einem Konflikt zwischen Hessen und Thüringen musste Melsungen 1194 neu aufgebaut werden, das Rathaus stammt aus dem Jahr 1562/68 und gilt als eines der schönsten Deutschlands. Es ist laut Experten übrigens eines der ersten Gebäude Deutschlands in Rahmen- und Reembauweise. Das Wahrzeichen des Rathauses, der Bartenwetzer, zeigt sich um 12 Uhr und um 18 Uhr auf dem Rathausturm.
Die Melsunger werden noch heute als „Bartenwetzer“ bezeichnet, was darauf zurückzuführen ist, dass sie 1370 die Erlaubnis erhielten, im Wald kostenlos Holz zu fällen. So zogen die Holzfäller jeden Tag mit ihren Äxten (= Barten) zum Holz schlagen in den Wald und schärften (= wetzten) ihre Barten unterwegs. Spuren davon sind heute noch auf der Bartenwetzerbrücke sichtbar, welche die drittälteste Brücke der Stadt aus dem Jahr 1596 ist. Sie führt zur Vorstadt, von wo aus man weiter über den Sälzerweg Richtung Hessisch-Lichtenau kommt.

Melsungen Fachwerk Straße
Viele Fachwerkhäuser sind gut erhalten. Foto: Martina Emmerich

Da die Stadt nie durch Krieg oder Flächenbrände in Mitleidenschaft gezogen wurde, sind hier viele alte Fachwerkhäuser erhalten (insgesamt 420 Häuser in Ständer-, Rahmenbau- und Geschossbauweise). Die meisten Fachwerkhäuser stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, das älteste aus dem Jahr 1424 und das älteste Steinhaus aus dem 13. Jahrhundert. In einem kleinen Fachwerkhaus begann schließlich auch die Erfolgsgeschichte eines der bekanntesten Söhne der Stadt: Julius Wilhelm Braun kaufte hier 1839 die Rosen-Apotheke, woraus sich der weltweit erfolgreiche Medizintechnik-Konzern B. Braun entwickelte.
Bis 1976 war Melsungen noch Kreisstadt, heute wohnen in der Kernstadt ca. 10.000 Menschen, mit den Randgebieten kommt die Stadt auf insgesamt 13.000 Einwohner. Touristisch beliebt ist Melsungen unter anderem bei Wanderern und Radfahrern: Die Stadt liegt am Fuldaradweg R1. Eine S-Bahn-Anbindung nach Kassel sorgt zudem für einen stressfreien Weg zu Kultur- und Shoppingmöglichkeiten der nordhessischen Metropole. Neben dem jährlich stattfindenden Weinfest gibt es alle zwei Jahre ein Heimatfest (2018) sowie ein Genussfestival im Oktober. Dabei wird hier seit 30 Jahren ein Grasbahnrennen gefahren. Im November laden schließlich die Kabarett-Tage zum Schmunzeln ein, wobei an den besten von acht Beiträgen ein Publikumspreis sowie der „Scharfe Barte“ vergeben werden.

Melsungen Hessischer Hof
Amelie und Katrin Markolf leiten seit zwei Jahren die Geschicke des Hessischen Hofs in Melsungen. Foto: Martina Emmerich

Kulinarisch ist Melsungen unter anderem bekannt für Ahle Wurscht, Weckewerk oder Schmandschnitzel. Außerdem gibt es – quasi historisch gewachsen – viele Pizzerien, da hier schon ab 1904 italienische Gastarbeiter unter anderem für eine Wasserleitung sorgten. Das gastronomische Aushängeschild von Melsungen ist der „Hessische Hof“, der seit 111 Jahren im Besitz der Familie Markolf ist und der im August 2016 von den Schwestern Amelie Markolf (28 Jahre, Köchin) und Katrin Markolf (30 Jahre, Hotelfachfrau) übernommen wurde. Beide waren vorher viel im Ausland unterwegs, um Ideen und Erfahrungen zu sammeln. Katrin Markolf wurde zudem bei den Bayrischen Jugendmeisterschaften 2009 beste Auszubildende sowie 2010 deutsche Vizemeisterin im Hotelfach.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Erkunden und vielleicht sehen wir uns ja beim Genussfestival…

Viele Grüße
Eure Martina

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