Unterwegs auf der Handwerk-Erlebnis-Route durchs Fuldatal, Teil 1

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Schmucke Fachwerkhäuser reihen sich in der Rotenburger Altstadt an der Fulda dicht aneinander. Foto: Emmerich

Der Frühling ist da … und mit ihm packt viele die Reise- und Entdeckerlust. Wer für die Urlaubs- und Ferienzeit oder die zahlreichen Feiertage im Mai noch abwechslungsreiche und attraktive Ziele sucht, die allen Familienmitgliedern etwas zu bieten haben, der muss dafür gar nicht in einen engen Ferienflieger steigen: In der Erlebnisregion Mittleres Fuldatal sind Groß und Klein genau richtig. Hier lockt neben viel Natur und malerisch gelegenen Städten auch die HandwerkErlebnisroute, wo Interessierte Einblick in traditionelle Handwerksarbeit bekommen sowie regionale Produkte erwerben können.
AufgetischtBlog nimmt Euch in den nächsten Tagen mit auf eine Reise in das Fuldatal. Start ist heute im malerischen Rotenburg an der Fulda.

Rotenburg an der Fulda
Auf halber Strecke zwischen Kassel und Fulda, an der engsten Stelle des Fuldatales, liegt Rotenburg an der Fulda. Wenn die Stadt auch im Zuge der Gebietsreform 1972 den Titel einer Kreisstadt verlor, so hat sie doch kulturell und historisch Einiges zu bieten.
Einen tollen Überblick über die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten der Stadt erhält man bei einer Stadtführung – beispielweise mit Christa Proske, einer von vier Stadtführerinnen.

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Wissenwertes und Unterhaltsames rund um das Kleinod im Mittleren Fuldatal weiß Christa Proske zu berichten. Ein Stadtrundgang mit ihr durch Rotenburg an der Fulda lohnt sich. Foto: Emmerich

Sie nimmt Interessierte in einer 100 Jahre alten, historischen Tracht mit der kunstvoll bestickten Rotenburger Betzel, der traditionellen Kopfbedeckung der Rotenburger Frauen, mit durch die Straßen, Gassen und Plätze Rotenburgs, das schon Hermann Claudius in einer Hommage als „Kleinod der Hessischen Krone“ bezeichnete.
Erstmals urkundlich als Stadt erwähnt wird Rotenburg 1248, wenn die Wurzeln auch weiter zurückreichen. So wurde um 1150 auf dem heute etwa 1,5 Kilometer nördlich der Stadt gelegenen Hausberg die Burg Rodenberg errichtet, kurz darauf am linken Fuldaufer eine gut befestigte Stadt, die den Namen der Burg übernahm.
Aus der Zeit der Stadtgründung stammt auch die Jakobi-Kirche, die bereits auf dem ersten Stadtsiegel von 1248 erkennbar ist. An ihrer Außenwand sind noch heute eingravierte alte Maße – Klafter und Mesgert – erkennbar. Der steinerne Altar wurde 1581 für die Schlosskapelle erbaut und kam 1790, als jene abgerissen wurde, in die Jakobi-Kirche. Die Grundsubstanz der Orgel stammt aus der Zeit um 1550 – die ortsansässige Orgelwerkstatt Nöske kümmert sich um deren Wartung. Eine der ältesten Glocken Deutschlands von 1492 läutet noch heute an Festtagen. Einen Abstecher Wert ist auch die Michaelskapelle mit ihrem Geheimgang.

Die Altstadt
Sehenswert ist zudem der historische Marktplatz, der nicht wie so viele im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde – wohl auch deshalb, da die Jakob-Grimm-Schule im Krieg als Lager für gefangene Offiziere der deutschen Kriegsgegner diente. An die 350 Fachwerkhäuser, die aus der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg stammen, prägen mit ihrem Schmuckfachwerk das Bild der Altstadt. Diese umfasst u. a. die Wein-, Weber- und, Löbergasse und wird mit Resten der Stadtmauer inklusive zweiter Rundtürme abgerundet. In dieser tollen Atmosphäre – genauer gesagt, von der Brückengasse bis zur Alten Fuldabrücke – kann man an ganz besonderen lauen Sommerabenden (z. B. am 23. Mai, 20. Juni, 18. Juli und 15. August 2018) einem ganz besonderen Gaumenschmaus frönen: dem langen Tisch.

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Wer die Gelegenheit hat und zur richtigen Zeit in Rotenburg an der Fulda ist, sollte in jedem Fall an der sommerlichen und genussvollen Veranstaltung „Langer Tisch“ teilnehmen. Foto: Emmerich

Wie der Name schon sagt, werden dann Tische und Bänke zu einer langen Tafel entlang der Fachwerkgasse gestellt. Teller, Besteck, Servietten und Tischdeko sowie gute Laune, das eine oder andere Musikinstrument und viel Hunger bringen dann die Rotenburger und ihre Gäste gerne mit, um sich dann ganz nach den individuellen Vorlieben von den Gastronomen und Vereinen der Stadt kulinarisch verwöhnen zu lassen. Das Beste daran: Man kann einfach kommen, sich ein Plätzchen suchen, Essen auswählen und genießen. Eine Voranmeldung ist nicht nötig, ein unvergesslicher Abend mit netten Tischnachbarn und tollen Gesprächen aber auf alle Fälle garantiert.

Schloss und Schlosspark
1470 ließ schließlich Landgraf Ludwig II sein Landgrafenschloss direkt an der Fulda erbauen. Bei einem großen Stadtbrand 1478 wurde der Prachtbau zwar fast völlig zerstört – anschließend jedoch wieder aufgerichtet und ist heute Sitz der Finanzschule des Landes Hessen.
Für einen gemütlichen Spaziergang eignet sich der angrenzende Schlosspark von 1560 mit Bäumen aus aller Welt und dem Froschkönigbrunnen.

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Zum Verweilen lädt der Froschkönigbrunnen im Schlosspark ein. Foto: Emmerich

Biermanufaktur Rotenburg
Seit ca. einem Jahr lädt zudem der Brauereiausschank von Ralf Kramer im ehemaligen Parkcafé zum Verweilen ein. Hier hat der Braumeister eine 150 Quadratmeter große Brauerei angebaut, in der täglich zweimal 170 Liter Sud verarbeitet werden.
In seiner Biermanufaktur Rotenburg kann man auf 90 Innen- und 210 Außenplätzen nun nicht nur warme und kalte Köstlichkeiten wie Schnitzel-Variationen oder die Curry-Wurst „Brauhaus“ mit hausgemachter Spezialsoße, eine „Ahle Worscht-Platte“ oder hausgemachten Kochkäse mit frischem Bauernbrot genießen.

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Zur Stärkung darf die Vesperplatte mit Ahler Worscht und anderen regionalen Leckereien nicht fehlen. Foto: Emmerich

Besonders empfehlenswert sind die selbst gebrauten Biere: ein helles, mild gehopftes Hausbier – gern als Einsteiger- oder Frauenbier bezeichnet, ein Dunkles mit angenehmen Röstaromen sowie ein fruchtig-mildes Weizen. Die Biere gibt es direkt im Brauereiausschank sowie zum Mitnehmen als Flaschen (z. B. im Sechser Träger, genannt „Männerhandtasche“) oder als ganze Fässer. Die Hopfen-Köstlichkeiten sind drei Monate haltbar. Zusätzlich werden noch saisonale Spezialbiere gebraut wie beispielsweise Bockbier oder Erntebier.

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Ob im Rahmen einer Wander oder Radtour, zum Feierabend oder einfach nur so – Gründe gibt es genug für die Einheimischen und die Gäste sich auf ein Bier in der Biermanufaktur Rotenburg zu treffen. Foto: Emmerich

Wer nicht nur in ein Glas im Schankraum trinken, sondern etwas tiefer in die Materie einsteigen möchte, der ist bei einem Bierseminar mit Brauereirundgang richtig. Mit diesem Angebot ist die Biermanufaktur Rotenburg im Umkreis von 50 Kilometern konkurrenzlos. Außerdem führt der Fuldaradweg, der von Fulda bis Hannoversch Münden geht, direkt an der Biermanufaktur Rotenburg vorbei.
Die Öffnungszeiten sind von April bis September montags bis freitags ab 15 Uhr sowie wochenends und feiertags ab 11 Uhr. Von Oktober bis März ist montags Ruhetag. Neben dem regulären Schank- und Braubetrieb finden hier auch immer abwechslungsreiche Veranstaltungen statt. Ein Tipp ist der heutige 21. April: Dann wird – im Vorfeld zum Tag des Bieres – im Rothenburger Schlosspark ein großes Brauereifest mit Maibock-Anstich, Köstlichkeiten vom BBQ-Smoker sowie ab 20 Uhr mit Live-Musik von Rockingham gefeiert. Am 29. April ist man dann ab 12 Uhr mit dabei, wenn die Betriebe auf der HandwerkErlebnisroute „Türen und Tor auf“-machen. Dabei ist eine Besichtigung der Manufaktur mit dem Braumeister jeweils um 14, 15 und 16 Uhr möglich. Ein zünftiger Frühschoppen mit Wirtshaussingen – von Volksmusik bis Schlager – ist schließlich am 19. Mai ab 11 Uhr geplant.

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Gerne präsentiert Braumeister Ralf Kramer seine kleine Biermanufaktur und erklärt die Herstellung seiner beliebten Sorten. Foto: Emmerich

Weitere Teilnehmer der HandwerksErlebnisroute Mittleres Fuldatal stelle ich Euch in meinem nächsten Beitrag vor.

Bis dahin viel Spaß beim Entdecken des Mittleren Fuldatales mit all seinen Handwerks- und Genussbetrieben wünscht Euch
Eure Martina

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