Richard Löwenherz: König – Ritter – Gefangener

Landesausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer

Ausstellungsplakat-webDer Name Richard Löwenherz ist wohl bekannt: Dies mag nicht zuletzt daran liegen, dass er einer der einprägsamsten und klangvollsten Namen englischer Könige ist, obwohl sein Besitzer doch nur zehn Jahre regierte. Er galt bereits zu Lebzeiten als Ideal des heldenhaften Ritters und großen Militärführers, so dass ihm schon damals etliche Balladen und Geschichten gewidmet wurden. Das Historische Museum der Pfalz Speyer widmet vom 17. September 2017 bis zum 15. April 2018 eine große kunst- und kulturhistorische Ausstellung dem Leben und Wirken des ebenso legendären wie umstrittenen Königs.

Ruhmreicher Feldherr
Richard Plantagenet, alias Richard Löwenherz, wurde am 8. September 1157 in Oxford geboren und war von 1189 bis zu seinem Tod, am 6. April 1199, König von England.
Kaum zum König gekrönt, begab er sich schon auf den Dritten Kreuzzug (1189–1192) in Richtung Jerusalem, wo er sich besonderen Ruhm erwarb. Er war einer der wenigen Herrscher seiner Zeit, die mutig mit ihren Soldaten an vorderster Front in die Schlacht zogen.
Die Ausstellung zeigt 158 Exponate aus Museen und Bibliotheken in Deutschland, England, Frankreich, Dänemark, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz, die das Leben und die Wirkungsstätten Richard Löwenherz´ illustrieren. Sie folgt den Spuren des Herrschers von England nach Frankreich und auf den Dritten Kreuzzug ins Heilige Land. Es werden die Herrscherdynastien jener Zeit vorgestellt: die Plantagenets, Kapetinger, Staufer, Welfen und die Ayyubiden im Nahen Osten. Auch erfährt man vieles über die Zeit der Gefangenschaft des Königs am Rhein sowie seine Rückkehr nach England.
Unter den Exponaten sind kostbare Handschriften, die erstmals in Deutschland gezeigt werden, sowie Skulpturen, Waffen und Reliquiare. Darunter sind eine frühe Ausgabe der Magna Carta, die ursprünglich von Richards Bruder Johann Ohneland erlassen wurde, das vergoldete und mit Edelsteinen besetzte Kreuz Heinrichs des Löwen, historische Abgüsse der Grabmäler von Richard Löwenherz, Heinrich II. und Eleonore von Aquitanien aus der Abtei von Fontevraud und der sogenannte Kopenhagen-Psalter, der zur Erziehung junger Adliger an einem europäischen Fürstenhof angefertigt wurde. Eigens für die Ausstellung angefertigte Animationen zeichnen Richards Reisewege durch Europa nach und bieten einen lebendigen Einblick in die Welt des Mittelalters.
Im Mittelpunkt der Schau steht jedoch Richards Lebensgeschichte, seine Herkunft, sein Aufstieg und sein tiefer Fall auf dem Höhepunkt der Macht und die spannende Frage, wieso Richard trotz seiner vergleichsweise kurzen Herrschaftszeit, von der er nur sechs Monate in England verbrachte, zu einer der berühmtesten Persönlichkeiten des gesamten Mittelalters wurde. In der Geschichtswissenschaft galt Richard Löwenherz lange als schlechter König, der sein Reich vernachlässigte, ihm enorme finanzielle Belastungen auferlegte und seine persönliche Ruhmsucht über die Interessen des Reiches stellte. Im öffentlichen Bewusstsein konnte sich diese Interpretation seiner Lebensgeschichte aber nie durchsetzen. Der Ausstellungsrundgang endet mit einem Blick auf die Verschiebung der Machtverhältnisse in England und Europa nach seinem Tod.
Das Historische Museum der Pfalz ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, an Feiertagen und in den rheinland-pfälzischen, baden-württembergischen und hessischen Schulferien auch montags. Weitere Informationen gibt es hier.

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Blick auf die Reichsburg Trifels. Foto: Martina Emmerich

Burg Trifels
Wer noch weiter auf den Spuren Richard Löwenherz´ im Mittelalter unterwegs sein möchte, dem sei die Reichsburg Trifels ans Herz gelegt. Als wichtigste der drei Burgen auf drei Erhebungen eines Höhenzuges (die beiden anderen sind die Burgruinen Anebos und Scharfenberg) thront sie weithin sichtbar auf der wild zerklüfteten, senkrecht abfallenden Spitze eines Felsen über der Stadt Annweiler. Der imposante Ausdruck der aus Sandstein erbauten Burg war nicht nur äußerliches Zeichen kaiserlicher Macht, sondern auch durch die weite Aussicht von strategischer Bedeutung. Und die Reichburg fasziniert noch heute: Jährlich kommen mehr als 100.000 Besucher hierher, um den Duft der Geschichte zu schnuppern.
Erstmals urkundlich erwähnt wird der Trifels im Jahr 1081. Der heutige Baubestand stammt aus verschiedenen Bauzeiten vom 11. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Ringmauer, Torweg, Brunnenturm, Hauptturm, Basis des Palas sind überwiegend aus der Zeit der Salier und Staufer. Historisierende Auf-, Um- und Anbauten entstanden aber auch während des Dritten Reiches und danach.
Die größte Bedeutung hatte die Burg zur Zeit der Staufer: Damals wurden die Reichskleinodien Krone, Zepter und Reichsapfel hier aufbewahrt. Nachbildungen können noch heute in einer eigenen Schatzkammer der Dauerausstellung besichtigt werden. Unter dem Titel „Macht und Mythos“ berichtet sie von der Geschichte und dem Bau der Burg, von Bauherren und Herrscherpersönlichkeiten.
Außerdem war Burg Trifels unter den Saliern und Staufern ein Staatsgefängnis für Prominente … und der wohl berühmteste Gefangene war Richard Löwenherz. Laut Legende sollte ihn der Barde Blondel befreit haben, in Wahrheit erhielt Staufer-Kaiser Heinrich VI. ein gewaltiges Lösegeld – 100.000 Mark, was 23 Tonnen reinem Silber entsprach – um den englischen König ziehen zu lassen.

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Inschrift auf Säule am Eingang von der Burg Trifels. Foto: Martina Emmerich

Passend zur Landesausstellung im Historischen Museum ist auf Burg Trifels noch bis zum 18. April 2018 zudem die Präsentation „Der Fall Richard Löwenherz“ zu sehen. Im Turmzimmer des Bergfrieds sind in dieser Zeit Kinder und Jugendliche eingeladen, sich mit der Geschichte und der Gefangenschaft von Richard Löwenherz spielerisch auseinanderzusetzen.
Kulinarisches Begleitprogramm
Nach Ausstellung und Besichtigung historischer Stätten kann man den Ausflug in die Richard Löwenherz-Zeit noch mit einem kulinarischen Highlight krönen. So gibt es am 14. Oktober 2017 sowie am 3. Februar und 3. März 2018 eine kulinarische Reise ins Mittelalter. Hierbei wird ein Ausstellungsbesuch im Historischen Museum der Pfalz mit einem genussvollen Event im Gewölbekeller Speyer (www.hotelaltspeyer.de) kombiniert, beispielsweise mit einem Kochkurs.
In Kooperation mit dem Kulturnetz Mannheim Rhein-Neckar (www.kulturnetz.de) veranstaltet das Museum zudem ein Richard Löwenherz-Criminal Dinner mit dem Titel „Excalibur und der Erbe des Königs“. Termine für 2018 sind am 27. Januar, am 24. Februar, am 10. März und am 14. April, jeweils ab 18 Uhr. Die Eintrittskarten kosten 129 Euro und enthalten neben dem Criminal Dinner mit Amuse-Bouche, Aperitif und Drei-Gänge-Menü auch eine exklusive Führung durch die Ausstellung.

 

Alle Geschichtsinteressierten, Freunde der mittelalterlichen Küche und Krimifans sollten sich die Ausstellung und das Begleitprogramm nicht entgehen lassen! Viel Spaß dabei – ich war auf jeden Fall total fasziniert!

Eure Martina

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