Odenwälder Gastlichkeit – 175 Jahre Treuschs genussvolle Gastlichkeit

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Die Familie Treusch aus Reichelsheim kann auf 175 Jahre Gastronomietradition zurückblicken. Foto: Emmerich

Quasi zu den Urgesteinen der Odenwälder Gastronomie-Dynastien gehört die Familie Treusch in Reichelsheim, die aktuell nicht nur das Genießer-Restaurant „Treuschs Schwanen“ sowie das Odenwald-Gasthaus „Treuschs Johanns-Stube“ betreibt, sondern darüber hinaus auch mit eigenem Apfelwein sowie einer Kochschule von sich reden macht. 2017 wird hier nun ein stolzes Jubiläum gefeiert: Am 22. März 1842 – vor genau 175 Jahren – wurde Johann Georg Treusch die Genehmigung zum Betreiben einer Gaststätte im „Schwanen“ erteilt. Grund genug, dies mit kulinarischen Veranstaltungen sowohl in der „Johanns-Stube“ als auch im „Schwanen“ gemeinsam mit den Gästen zu feiern.

Die Familie Treusch ist schon lange in der Gegend um Reichelsheim ansässig: Ab Leonhard Treusch, der im 17. Jahrhundert lebte, ist der Familienstammbaum lückenlos belegbar. Der erste „Schwanen“-Wirt Johann Georg Treusch, der auch Namensgeber der „Johanns-Stube“ ist, war eigentlich kein Gastronom, sondern ursprünglich ein Müller, wie auch die weiteren Müller, Bäcker oder Konditoren waren. In den Räumlichkeiten der heutigen „Johanns-Stube“ war 1890 noch der Bäcker- und Konditorenladen von Jakob Treusch untergebracht, der dort im gleichen Jahr als Konditormeister die erste Landkonditorei in Hessen eröffnete, die einige Jahre auch Filialen in Lindenfels und Michelstadt betrieb. 1905 erfolgte dann der Anbau von Küche, Jugendstil-Saal sowie drei Gästezimmern mit Zentralheizung. Die Küche wurde 1929 in die heutigen Räumlichkeiten verlegt, die bis dato noch intensiv betriebene Landwirtschaft stark reduziert und 1942 schließlich die Bäckerei aufgegeben. Das heutige Zuhause des Genießer-Restaurants „Treuschs Schwanen“ wurde 1954 errichtet, war zunächst ein unterkellerter Saal, dem Stall und Scheune weichen mussten.

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Bild vom Gasthaus zum Schwanen aus dem Jahr 1925. Foto: Treusch

Für den Namensursprung des „Schwanen“ gibt es übrigens mehrere Ansätze: Zum einen gibt es in der Umgebung drei Seen, daher vermutlich auch Schwäne. Zum anderen – und dies gilt als am wahrscheinlichsten – stammt der Name vom Wappentier der Evangelisten, einem Schwan, welcher typisch für einen Gasthof neben einer Kirche war.
Lange Jahre bildeten Busgruppen, die ins Café kamen, den Schwerpunkt. Ende der 1970er / Anfang der 1980er Jahre schlief das Konditorei-Geschäft mehr und mehr ein, zumal es auch noch vier weitere Cafés in der Nähe gab. Der aktuelle und siebte Schwanenwirt, Armin Treusch, der auch schon früher in der Konditorei mitgearbeitet hatte …
schließlich der erste gelernte Koch in der Familie wurde. Obwohl auch er schon früh in der Familien-Konditorei mit eingespannt wurde, war Koch doch immer sein Traumberuf, den er sich schließlich auch erfüllen konnte – und das mit Erfolg: Der renommierte Gastronom wurde von Haute-Cuisine-Kooperationen wie „Eurotoques“ oder „Châine des Rôtisseurs“ als Mitglied aufgenommen.
Nachdem Armin Treusch und seine Frau Elke 1979 in den elterlichen Betrieb mit einstiegen, verlagerte sich so der gastronomische Schwerpunkt mehr und mehr in Richtung herzhafter Küche, geprägt von Kreativität, Qualität und Regionalität.
1984/85 wurde das Konzept schließlich grundlegend geändert: Der Saal wurde zum „Treuschs Schwanen“, einem Feinschmeckerrestaurant mit ländlichem Charakter, umgebaut und die alten Gasträume in Anlehnung an den Gastronomiebegründer zum regional orientierten Odenwald Gasthaus „Johanns-Stube“ mit einem Schwerpunkt auf Apfelwein aus eigener Produktion. Im Sommer bewirtschaften beide Restaurants gemeinsam den Biergarten, flexibel und abhängig von den Veranstaltungen. „Vom Konzept her geht eines nicht ohne das andere“, bekennt Armin Treusch.

Kochschule, Apfelwein und Boutique
Slow Food-Mitglied Armin Treusch, dem an einer ganzheitlichen Verarbeitung von Tieren und Produkten in seiner Küche gelegen ist, erweiterte das Geschäftsfeld im Laufe der Jahre neben den beiden Restaurants kontinuierlich weiter. So startete er 1993 seine Kochschule. „Den Startschuss dazu gab ein Showkochen für die Landfrauen 1983/84, danach kamen die Kurse“, erklärt der passionierte Koch. Bisher wurden mehr als 500 Kochseminare durchgeführt, bei denen die Teilnehmer unter fachkundiger Anleitung von Armin oder mittlerweile auch Sohn Thomas Treusch, der seit 2008 im Betrieb mitarbeitet, ein komplettes Menü zubereiten. Die Themen sind dabei vielfältig, die Nachvollziehbarkeit und das Nachkochen der Gerichte stehen jedoch im Vordergrund. Die Veranstaltungen finden im Reichelsheimer Stammhaus statt oder auch in der Kochschule Darmstadt oder bei der Genussakademie Frankfurt.
Mit dem ersten Jahrgang von 1996 bietet Armin Treusch auch sortenreine Apfelweine an – mittlerweile mehr als 25 Apfelweine verschiedener Sorten und Jahrgänge. Verwendet wird dafür nur Obst von Steuobstbeständen der Region und die Weine bleiben so, wie es die Vegetation des Jahres ergeben hat.
Die Weine kann man unter anderem auch in der seit 2000 an die „Johanns-Stube“ angeschlossenen Boutique erwerben, wo weitere typische regionale und traditionelle Odenwälder Produkte angeboten werden.

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Ehepaar Treusch in der Ahnenecke des Odenwald-Gasthauses „Johanns-Stube“. Foto: Emmerich

Bekannt über den Odenwald hinaus
Doch nicht nur vor Ort tritt Armin Treusch gern mit seinen Gästen in Kontakt. Er wirkt auch regelmäßig bei verschiedenen Kochsendungen mit: Der erste Fernsehauftritt des Gastronomiebetriebes erfolgte 1988/89 im hr-Fernsehen. Bei „Hessen á la carte“ lief eine Sendung über den Odenwald, in der Armin Treusch mit einer seiner köstlichen Kreationen – Lammkeule auf Wiesenheu – vorgestellt wurde. Hieraus ergab sich eine intensive Zusammenarbeit, überwiegend mit Moderatorin Michaele Scherenberg. Man bearbeitete gemeinsam Rezepte für Bücher, machte Beiträge für den hr, das ZDF und kabel 1. „Michaele Scherenberg und ich waren immer ein gutes Duo“, erläuterte Armin Treusch und ergänzte: „Ich konnte stets Themen einfließen lassen, die mir wichtig waren, Wissen über die Produkte vermitteln, deren Herstellung näher bringen sowie Produzenten vorstellen – eben eine ehrliche Küche aufzeigen.“
Die Ausbildung gastronomischer Nachwuchskräfte sowie die Teilnahme an Wettbewerben waren für Armin Treusch eine logische Konsequenz, da sein Gastronomiebetrieb viele Bereiche abdeckt und die Auszubildenden so Vielfalt kennenlernen können, natürlich aber auch viele Anforderungen erfüllen müssen. Darüber hinaus engagiert sich die Familie seit drei Generationen im DEHOGA sowie in der Heimatgemeinde.
Momentan arbeiten in den Treuschschen Gastronomiebetrieben bis zu 14 Mitarbeiter. Seit August 2015 wird zudem der Kindergarten Reichelsheim mitversorgt, seit Januar 2016 auch noch der aus Fränkisch-Crumbach. Mehr sei jedoch aus logistischer Sicht – trotz häufiger Nachfrage – nicht machbar.

Beste Zukunftsaussichten
Der Übergang zur nächsten Generation im Hause Treusch erfolgt fließend. Seit 2008 arbeitet Sohn Thomas mit, welcher mehr und mehr in Erscheinung tritt und seinen Vater Armin zunehmend entlasten kann. So ist die Küche mittlerweile weitgehend in seiner Hand. Nach beider, einhelliger Meinung ergänzen sie sich gut und arbeiten nach wie vor eng zusammen. Armin Treusch hält sich lieber im Hintergrund, organisiert, bereitet vor und schaut, dass die Rezepte stimmen. „Der Betrieb entwickelt sich mit den Gästen weiter“, sagt der Gastronom, der durch seine Arbeit mittlerweile ein Wissen wie ein Lexikon hat und auch nette Anekdoten aus seiner Tätigkeit zu berichten weiß. So verwundert es nicht, dass er schmunzelnd von einer Anfrage aus Peru nach einem Rezept für Sauerteigbrot erzählt.

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Die Familie Treusch freut sich darauf, Ende März das 175-jährige Betriebsjubiläum feiern zu können. Foto: Emmerich

Jubiläumswochenende vom 24. bis 26. März
Das Gästeklientel kommt heute aus einer Entfernung von bis einer Stunde Anfahrt. Die meisten Gäste im „Schwanen“ kommen nur zum Essen her, wohingegen die Gäste der „Johanns-Stube“ den Ausflug in den Odenwald auch gern mit einem Einkauf in der Region verbinden. Zu den beliebten Veranstaltungen im „Schwanen“ gehören die Wein-Tastings, darunter auch besondere Apfelwein-Tastings, sowie die Tischlein-Deck-Dich-Events.
Am Wochenende nach dem Jubiläum erwarten die Gäste drei Veranstaltungen, die in Zusammenarbeit mit den engsten Produzenten sowie in Kombination mit dem eigenen Apfelwein durchgeführt werden. Am Freitag, dem 24. März, heißt es in der Johanns-Stube „Alles Käse, oder was?“ mit einem Büffet voller Köstlichkeiten vom Hüttenthaler Käse sowie Treuschs Apfelwein bis zum Abwinken. Im Schwanen werden am Samstag zu Treuschs TapasMenü Klassiker aus 32 Jahren Restaurant-Geschichte gereicht. Eine neue Veranstaltung bildet mit einem köstlichen Büffet zum Odenwälder SonntagsSchmaus am 26. März ab 11.30 Uhr in der Johanns-Stube den Abschluss.
Meiner Meinung nach sind die gastronomischen Angebote der Familie Treusch immer einen Besuch wert.
Weitere Informationen gibt es unter http://www.treuschs-schwanen.de

Viel Genuss wünscht Euch

Eure Martina

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