Gin – mehr als nur Bestandteil von Cocktails

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Der Gin-Markt in Deutschland boomt. Überall werden innovative und beliebte Ginsorten angeboten – hier beispielsweise in der Weinperle Langeoog.  Foto: Emmerich

Zu den beliebtesten Getränken auf dem Spirituosenmarkt gehört seit einigen Jahren Gin. Das Kultgetränk, dessen Namensgeber und aromatischer Hauptbestandteil der Wacholder ist, wird sowohl pur als auch in Mixgetränken genossen. Doch was macht den Drink so beliebt?

Allein in Deutschland gibt es derzeit laut gintlemen.com 188 hergestellte Sorten, Tendenz weiter steigend. Aber auch in Österreich, der Schweiz, in Frankreich und Spanien erfreut sich Gin zunehmender Beliebtheit. Hier wird eine neue, junge Gin-Kultur gelebt, während die Spirituose mit Wacholdergeschmack und einem Alkoholgehalt von mindestens 37,5 Volumenprozent in den osteuropäischen Ländern weiterhin als eher altmodisches Getränk angesehen wird.
Ursprünglich gelten Belgien und die Niederlande als die Herkunftsländer des Gins. Wie Überlieferungen belegen, kennt man dort seit dem 16. Jahrhundert Getreideschnaps mit Wacholderbeer-Aroma – den sogenannten Genever bzw. Jenever, dem holländischen Wort für Wacholder. Mit Wilhelm III. von Oranien-Nassau, der 1689 den englischen Thron bestieg, gelangte der Genever mit auf die Insel. Überzeugt von dem einzigartigen Geschmack, stellten dort die Untertanen schon bald ihren Gin selbst her.
Gewonnen wird dieser durch das Aromatisieren von Ethylalkohol aus landwirtschaftlichem Ursprung – dabei handelt es sich meistens um Getreide – mit Wacholderbeeren. Die Herstellung unterliegt übrigens nicht dem Brennrecht und ist noch dazu nicht sehr kostenintensiv, was vielleicht ein Grund dafür ist, dass so viele neue Sorten auf den Markt kommen. Gemäß der EU-Spirituosenverordnung dürfen nur natürliche und/oder naturidentische Aromastoffe, sogenannte Botanicals, für den Gin verwendet werden. Voraussetzung dabei ist, dass der Wacholdergeschmack dabei überwiegt. Innovative Gin-Hersteller setzen dabei jedoch schon lange nicht mehr nur auf die Wacholderbeer-Aromen: Während beispielsweise der Münchner Gin „Feel“ durch besondere Gewürze und Früchte besticht, die gehäckselt zugesetzt werden, punktet der Saarländer „Ferdinands“ – durch seine Rieslingbasis. Wieder andere lassen den Gin im Fass reifen, um nochmals eine andere Note und Wertigkeit in ihre edlen Tropfen zu bringen.
So unterschiedlich wie die Gin-Aromen heute sind, so verschieden wird die Spirituose auch an der Bar ins Szene gesetzt: Klassisch wurde und wird der Gin als Gin Tonic mit einer Limette- oder Zitronenscheibe sowie einem Stick zum Umrühren serviert. Wer als Barmann etwas auf sich hält und seine Gin-Kompetenz unter Beweis stellen möchte, der bietet seinen Gästen nicht nur eine eigenständige Gin-Karte, sondern zelebriert das Getränk: Passend zu den Aromen des jeweiligen Gins wird das Glas dekoriert – da kann dann schon mal ein Basilikum- oder Thymianzweig im Glas stehen. Eine Birnenkugel könnte sich in einem französischen Gin finden, während ein besonders ambitionierter Gin-Fan vielleicht sogar Gin-Eiskugeln für seine Gäste bereithält und die Drinks zu Hause im Burgunderglas mit feinen Orangenschalenstreifen serviert.

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Gin ist Leidenschaft, aber auch Geschmacksache. Wer neugierig geworden ist und gerne mehr über das Getränk, seine Geschichte sowie die Herstellung erfahren möchte, sollte zudem einen Blick in das Buch „Gin – Geschichte, Herstellung, Marken“ von Bernhard Schäfer werfen, das im Hallwag Verlag erschienen ist. Der Autor, 1996 zum „Keeper of the Quaich“ und 2007 zum „Master of the Quaich“ ernannt, nimmt den Leser mit auf eine kurzweilige Reise durch die Welt des Gins. Er gibt Einblicke in die Geschichte und Herstellung, stellt bekannte Ginmarken vor und hat zudem Tipps und Rezeptideen parat. Das kompakte Buch ist für 9.90 Euro unter der ISBN 978-3833858758 erhältlich.

Noch nicht auf den Gin-Geschmack gekommen? Dann haltet doch mal die Augen und Ohren offen: Es gibt derzeit in sämtlichen Bars und Szenekneipen Gin-Tastings. Besonders wird das moderne Kultgetränk am 10. Juni, dem Tag des Gins, in Szene gesetzt.

Eure Martina

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