Familiäres Lucia-Fest: Weihnachtszeit unter Schweden erleben

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Am 13. Dezember wird in Schweden das Lucia-Fest gefeiert. Foto: Emmerich

Wer weihnachtliches Flair und das bei den Schweden so beliebte Lucia-Fest einmal abseits der klassischen Feierlichkeiten in Stockholm erleben will, der sollte um den 13. Dezember eine Reise nach Skåne unternehmen. Die dicht beieinander gelegenen Städte Malmö und Lund bieten gerade in der Vorweihnachtszeit eine verführerische Mischung aus kulinarischen Erlebnissen, Shoppingvielfalt und schwedischen Traditionen.

Malmö, das südliche Tor Schwedens, hat als Stadt der Gegensätze selbstverständlich gerade auch in der Vorweihnachtszeit einen ganz besonderen Charme. Hier laden neben den Geschäften entlang des Marktplatzes aus dem 16. Jahrhundert diverse Butiken mit schwedischen Designprodukten, stilvolle Vintage-Läden (Mitt Möllan Weihnachtsmarkt) sowie unterschiedlichste Märkte mit saisonalen Leckereien (beispielsweise der Bauernmarkt auf dem Drottningtorget oder der Kreativ-Weihnachtsmarkt in St. Gertrude) zum Bummeln ein.

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Malmös Läden und Märkte bieten in der Vorweihnachtszeit saisonale Leckereien und Dekorationsartikel für jeden Geschmack. Foto: Emmerich

So eine Weihnachtseinkaufstour macht natürlich auch hungrig. Von daher darf zwischendurch eine kleine Fika, die typisch schwedische Kaffeepause, nicht fehlen. Hierfür wird man entweder ebenfalls auf einem der zahlreichen Märkte fündig und kann sich dabei noch das geschäftige Treiben rundherum anschauen. Eine gute andere Alternative bietet das kleine, aber gemütliche Café „Lilla Kafferosteriet“, das selbst auch noch eigene Bohnen röstet – und natürlich einen Weihnachtskaffee im Angebot hat.
Was gibt es Schöneres als gerade in der Vorweihnachtszeit zu Gast bei Freunden zu sein und mit ihnen einen traditionellen, genussvollen Abend zu verbringen? Ein solches Erlebnis der schwedischen Gastfreundschaft können Touristen in Malmö unter dem Stichwort „A Slice of Swedish Hospitality“ buchen: Eine Reihe Privatpersonen – meist Familien oder Paare – bieten Gästen ihrer Stadt die Möglichkeit mit ihnen in ihren eigenen vier Wänden Lunch oder Abendessen zu genießen.

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Kalte und warme Köstlichkeiten erwarteten mich bei Marijke und Thomas. Foto: Emmerich

Ich hatte beispielsweise die Gelegenheit den Vorabend zum Lucia-Fest bei Marijke und Thomas, einem kulinarisch interessierten Ehepaar, das rund um die Welt gereist ist, zu verbringen. Die beiden empfingen mich mit einer Tasse Glögg, bevor es in ihrem gemütlichen und mit einem Weihnachtsbaum geschmückten Wohnzimmer ans Abendessen ging: Für das Julbord hatte das Paar unter anderem kalte und warme Spezialitäten vorbereitet, darunter beispielsweise Jansons Versuchung (das Rezept findet sich übrigens auch im „New Nordic“-Kochbuch, Seite 87). Dazu gab es auch die passenden Getränke und noch mehr – Marijke und Thomas erzählten mir von den typischen Traditionen zur Jahreszeit, wie das Backen von Lussekatter und das Singen von Lucia- und Trinkliedern. Zu meiner Überraschung blieb es auch nicht bei der „Theorie“: Frisch gestärkt bereiteten wir nach dem Essen in der Küche gemeinsam noch das beliebte Safrangebäck zu.

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Gemeinsam mit der Gastfamilie wurden traditionelle Lussekatter gebacken. Foto: Emmerich

Wer lieber in einem Restaurant in Malmö ein klassisches Julbord genießen möchte, der ist im Restaurant „Årstiderna“ von Wilhelm Pieplow richtig. Seit fast vierzig Jahren betreibt der Deutsche das Traditionshaus zusammen mit seiner Frau Marie, Sohn Andreas und einem Team, das aus zwölf Köchen, einem Bäcker und den Servicekräften besteht. Für die qualitativ hochwertigen und genussvollen Speisen, die den Gästen in den historischen und edel eingerichteten Kellergewölben serviert werden, hat das Küchenteam schon mehrere Preise gewonnen. Wer keinen Platz im Guide Michelin-Restaurant bekommt, kann sich seine Gerichte und Menüs auch online zum Abholen oder Bringen ordern. Zudem becatert das „Åstiderna“-Team Firmen- und Privatveranstaltungen in Malmö und Lund mit saisonalen Genüssen.

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Süßer Teil des Julbords im Restaurant Astiderna. Foto: Emmerich

Nach dem ereignisreichen Tag bietet sich eine Übernachtung im Mayfair Hotel Tunneln an, das, im Herzen von Malmö gelegen, auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Bereits am frühen Morgen kann man im Fernsehen schon die ersten Luciafeiern mitverfolgen, bevor es nach einem ausgiebigen Frühstück weitergeht. Heute steht der Besuch von Lund auf dem Programm: Im Dom der gerade einmal 20 Kilometer entfernten Universitätsstadt finden jeweils am Nachmittag und Abend des Samstags und Sonntags Lucia-Konzerte statt. Wie beliebt der Besuch solch eines Konzertes ist, zeigt sich an den langen Schlangen, die sich vor der Kirche bilden. Schließlich versucht jeder, möglichst einen Platz am Gang zu ergattern, den Lucia mit ihrem Gefolge aus jungen, in lange, weiße Gewänder gehüllten Mädchen und „Sternenjungen“ entlangschreiten und „Natten går tunga fjät runt gård och stuva. Kring jord, somsol forlät, skuggorna ruva. Då i vårt mörka hus, stiger med tänga ljus, Sankta Lucia, Sankta Lucia…“ singen wird. Dabei lässt man die besinnliche und zugleich ergreifende Stimmung in der dunklen Kirche, die nur vom Schein der vielen Kerzen erhellt wird, auf sich wirken.
Nach dem Lucia-Konzert lädt Thomanders Jul, der Weihnachtsmarkt direkt neben der Domkirche, zu einem Bummel ein. Doch die Weihnachtsfika im altehrwürdigen Grand Hotel ist auch wärmstens zu empfehlen: Bereits beim Betreten fühlt man sich in das 19. Jahrhundert zurückversetzt. Hier erzählen nicht nur die Bilder und Möbel Geschichten aus vergangenen Tagen, auch das Servicepersonal ist entsprechend gewandet und reicht kleine Leckereien, die wohl einst genauso reißend ihre Abnehmer fanden wie heute.

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Zur Weihnachtsfika im Grand Hotel von Lund ist selbst das Personal traditionell gewandet. Foto: Emmerich

Es rentiert sich in Lund zu übernachten, um auch hier noch ein wenig Weihnachtsflair einzufangen und Kulturluft zu schnuppern. Wie wäre es beispielsweise noch mit einem kulinarischen Stadtrundgang durch Lund? Dabei erfährt man nicht nur etwas über die Geschichte, hört Anekdoten und erhält kulinarische Tipps. An verschiedenen Stationen werden die hausgemachten Spezialitäten auch zur Verkostung angeboten. Entlang der Klostergatan findet sich ein Eldorado für Genießer: Vorbei an der Patisseriet und Bengtsons Ost geht es zu St. Jakobs Steinofenbäckerei. Dort gibt es herzhafte und süße Backwaren, während bei Grand Deli die schonische Spezialität „Skånsk spettekaka“, eine Art knuspriger Baumkuchen, sowie bei Ahlgrens Weihnachts-Pralinen und Bonbons angeboten werden.
Wiederum in vergangene Zeiten zurückversetzt fühlt man sich bei Hökeriet: In dem alten Tante-Emma-Laden werden hausgemachter Saft, Marmelade, Honig, Spielzeug und natürlich Süßigkeiten in Papierkegel auf die altmodische Art und Weise angeboten, während Besucher auch auf einen Kaffee in der gemütlichen, guten Stube verweilen können. Mittlerweile gehört Hökeriet zum Freilichtmuseum Kulturen, das selbstverständlich in der Vorweihnachtszeit auch besondere kulinarische Programme bietet: Neben Informationen rund um das Leben und Wohnen der einzelnen Bevölkerungsschichten zu verschiedenen Epochen sowie in unterschiedlichen Regionen Skånes werden Groß und Klein eingeladen, Weihnachtsdekorationen aus Seidenpapier zu basteln, in denen kleine Naschereien versteckt werden können, Senf selbst herzustellen oder Kerzen zu ziehen.

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Eine kleine Lucia. Foto: Emmerich

Wusstet Ihr übrigens, dass überall in Schweden am Morgen des 13. Dezembers Lucia gefeiert wir? An diesem Tag, der vor dem gregorianischen Kalender der kürzeste Tag im Jahr war, werden alte und neue Traditionen vermischt: Ursprünglich wurde wohl der heiligen Lucia von Syrakus gedacht, einer Märtyrerin aus dem frühen vierten Jahrhundert, die als Licht- und Hoffnungsträgerin der Ehe entsagt sowie ihr Leben Gott und ihr Geld den Armen geschenkt haben soll. Sie galt im Mittelalter als eine der berühmtesten Heiligen des Abendlandes. Heute ist das Lucia-Fest eher weltlicher Natur: Junge, in weiß gekleidete Mädchen, ziehen mit einem Kranz aus Preiselbeerzweigen und brennender Kerze auf dem Kopf durch die Straßen und erleuchten so die dunkle Zeit. Damit sollen Freude und Helligkeit verbreitet und böse Geister vertrieben werden. Der ehemals in Westschweden übliche Brauch, der zugleich das Ende der landwirtschaftlichen Arbeiten vor Weihnachten einläutete, verbreitete sich rasch über das ganze Land.

 

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Die Lucia-Konzerte sind in Schweden so beliebt, dass sich oftmals lange Schlangen vor den Kirchen und Veranstaltungsorten bilden. Foto: Emmerich

Im Stockholmer Freilichtmuseum Skansen wurde diese Tradition ab Ende des 19. Jahrhunderts gefeiert. Nachdem die Stockholmer Tageszeitung „Dagbladet“ 1927 sogar zur Lucia-Wahl aufgefordert hatte, verbreiteten sich der Brauch und die Wahl der jeweils lokalen Lucia im ganzen Land und über seine Grenzen hinaus.
Mit der Lichtfigur ist zudem eine kulinarische Tradition verbunden: Ab dem Lucia-Tag werden in Schweden die traditionellen Lussekatter, zu einem „S“ geformtes Safran-Hefegebäck, gebacken.

Ich wünsche Euch ein schönes Lucia-Fest und viel Spaß beim Lussekatter backen,
Eure Martina

 
Wer noch mehr über Lucia und die Weihnachtszeit in Schweden erfahren möchte, kann unter folgenden Links schauen:

Südschweden: http://www.100ProzentEcht.de

Malmö:
Allgemein: http://www.visitsweden.com/schweden/Regionen–Stadte/Malmo/
Ein Muss für eine Fika: http://www.lillakafferosteriet.se
Zum Abendessen: http://www.arstiderna.se
Schwedische Gastfreundschaft: http://www.asliceofswedishhospitality.com
Übernachten: http://www.mayfairtunneln.com/en

Lund:
Allgemein: http://www.visitlund.se/de
Lucia: http://www.lundsdomkyrka.se/deutsch
Weihnachtliche Stadtführung: http://www.thomandersjul.se/en
Kulinarischer Rundgang mit Besuch im Freilichtmuseum Kulturen:
http://www.kulturen.com/program-hogtider/kalendarium/evenemang/kategorier/julen-pa-kulturen/
Übernachten: http://www.concordia.se

Stockholm:
Allgemein: http://www.visitstockholm.com/en/de
Freilichtmuseum Skansen: http://www.skansen.se/de/kategori/deutsch

 

 

 

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