Kartoffeln haben Saison

Herbstzeit ist Kartoffelzeit, vor allem im Odenwald. Hier werden die Kartoffeln schon seit fast 300 Jahren angebaut. Sie entwickelten sich schnell nicht nur zu einem der Grundnahrungsmittel der Bevölkerung, sondern wurden auch zu Heil- und Schönheitszwecken eingesetzt.

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Die unterschiedlichen Kartoffelsorten werden für verschiedenste Gerichte verwendet. Schmeckt Ihr den feinen Unterschied? Wenn nicht, nehmt doch mal an einer Kartoffelprobe teil! Diese wird im Rahmen der 26. Odenwälder Kartoffelwochen angeboten. Foto: Emmerich

Frei nach Goethes Zitat „Morgens rund, mittags gestampft, abends in Scheiben, dabei soll’s bleiben – das ist gesund“ ist die Kartoffel ein wertvoller Bestandteil der ausgewogenen und zugleich kalorienbewussten Ernährung. Denn mit gerade einmal 70 Kalorien pro 100 Gramm hat die „tolle Knolle“ rund fünf Mal weniger Kalorien als Reis oder Nudeln. Darüber hinaus verfügt sie über eine außerordentlich gute Nährstoffzusammensetzung: Durch ihren Stärkegehalt von ca. 16 Prozent sättigt die Kartoffel trotz ihres hohen Wasseranteils (rund 80 Prozent) sehr gut. Sie hat von allen pflanzlichen Eiweißlieferanten den höchsten Anteil an verwertbarem Eiweiß, denn mit 150 Gramm kann man fast den gesamten Bedarf an lebenswichtigen Aminosäuren decken. Darüber hinaus beinhalten die „tollen Knollen“ Vitamin C für die Stärkung unserer Abwehrkräfte, der Muskulatur sowie Kalium für die Herzmuskelaktivität. Wichtig für die Nerven ist das in der Kartoffel enthaltene Vitamin B1, das für die Umwandlung von Zucker in Energie sorgt. Neben den Vitaminen sind selbstverständlich auch wichtige  Mineralstoffe in der Kartoffel enthalten. Mit 150 Gramm Pellkartoffeln kann man bereits 40 Prozent des täglichen Magnesiumbedarfs decken. Außerdem sind Eisen, Fluorid, Zink, Kupfer, Phosphor und Kobalt in wichtigen Mengen enthalten. Zu guter Letzt tragen die in der Kartoffel enthaltenen Ballaststoffe u. a. zur Förderung der Verdauung bei.
Kulinarische Wochen für Genießer

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Bei der diesjährigen Eröffnung der 26. Odenwälder Kartoffelwochen wurden die Gäste nicht nur mit einem abwechslungsreichen Sechs-Gänge-Menü verwöhnt. Armin Treusch, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Odenwaldkreis, gab Moderator Reinhard Schall und den Gästen auch einige kulinarische Tipps rund um die tolle Knolle. Foto: Emmerich

Durch die „Odenwälder Kartoffelwochen“, die nicht zuletzt den Kartoffelanbau und die Kartoffelzucht fördern, werden einerseits überlieferte und fast vergessene Familienrezepte in der Küche zu neuem Leben erweckt, und andererseits auch verstärkt neue, kreative Formen der Zubereitung von den Küchenmeistern entwickelt. Außerdem soll in diesem kulinarischen Rahmen auch mehr Aufmerksamkeit auf den Odenwald mit seiner Landschaft, seinen Sitten und Bräuchen gelenkt werden. Initiiert vom damaligen Landrat des Odenwaldkreises, Horst Schnur, und engagierten Gastronomen finden die Odenwälder Kartoffelwochen nun seit 1991 statt. Über das vergangene Vierteljahrhundert hinweg hat sich diese kulinarische Aktion über die Region hinaus einen Namen gemacht und zieht Genussfreunde aus Nah und Fern an, die jedoch nicht nur zum Essen, sondern auch zum Entdecken des Odenwalds kommen. Nicht umsonst werden in dieser Zeit verschiedene Veranstaltungen und Arrangements angeboten, die Genuss mit Wanderungen, Verkostungen und Kultur kombinieren. So nehmen an den aktuellen 26. Kartoffelwochen, die am vergangenen Wochenende (17. September) begannen, 30 Betriebe teil. Sie lassen vor ihrem Haus als erkennbares Zeichen eine entsprechende Fahne wehen und servieren Genießern traditionell-beliebte und modern-kreative Gerichte rund um den Erdapfel.

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Bei der Auftaktveranstaltung zu den diesjährigen Kartoffelwochen begeisterten die Köche die Gäste mit gerollten Kartoffelcrêpes mit Bauernhähnchen und Pfifferlingen, auf Linsen in Schnittlauch-Rahmsoße. Foto: Emmerich

Neben den klassischen Kartoffelgerichten wie „Himmel und Erde“, verschiedensten Kartoffelsuppen, Kartoffelklößen oder Kartoffelpuffern lassen sich die Küchenchefs der Region immer wieder neue Kreationen für die Auftaktveranstaltung sowie für ihre Kartoffelkarte einfallen. In der Vergangenheit waren dies beispielsweise „Odenwälder Kartoffel-Spinatroulade mit geschmorter Kaninchenkeule in Basilikumsoße“, „Oktopus und Kartoffel-Törtchen“, „Odenwälder Schupfnudeln mit Apfelsauce und Apfel-Rotkraut“, „Damhirschsteak mit Kartoffel-Mandelbällchen und Salatteller“ oder „Kartoffelblini an hausgebeiztem Lachs an Limonenschaum“. Bei der diesjährigen Eröffnung kam unter anderem der „Gerollte Kartoffel-Crêpe mit Bauernhähnchen und Pfifferlingen, auf Linsen in einer Schnittlauch-Rahmsoße“ sowie das „Kartoffel-Honig-Küchlein mit Hüttenthaler Quarkmousse und Holunderäpfeln“ gut an, während die teilnehmenden Betriebe unter anderem mit „Hausgemachten Orangen-Gnoccis an gebratener Entenbrust“, „Schweinerücksteak an Holundersoße mit Kartoffel-Handkäse-Soufflé und Brokkoli“ bzw. „Odenwälder Zwiebelkreppel mit Kartoffelgemüse“ locken. Oder wie wäre es am Nachmittag mal mit einer „Kartoffel-Krümel-Sahnetorte“?

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Jeder Kuchenteig – selbst ein Wiener Biskuit – kann mit 25 Prozent pürierten, gekochten Kartoffeln verlängert werden. Diese machen den Kuchen noch saftiger und schmackhafter, zudem bleibt er länger frisch, rät Armin Treusch, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Odenwaldkreis. Foto: Emmerich

Noch bis zum 3. Oktober laden die Odenwälder Betriebe ein, ihre besonderen Gerichte rund um die Kartoffel zu genießen. Wer welche Leckereien bietet und wo man dann auch die tollen Knollen für zu Hause erwerben kann, ist sowohl im Internet unter www.kartoffelwochen.de nachzulesen als auch in der
Kartoffelwochen-Broschüre. Diese beinhaltet zudem Wissenswertes rund um die Kartoffel, regionale Direktvermarkter, Veranstaltungen und touristische Arrangements im Rahmen der Kartoffelwochen sowie Interviews mit der Odenwälder Kartoffelkönigin Julia l., der Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes Christine Friedrich und der Unternehmensberaterin Marion Koziol. Die kostenlose Broschüre und weitere Informationen sind bei der Odenwald Tourismus GmbH (tourismus@odenwald.de, Telefon 06061-965970) erhältlich.

Kartoffeln als Medizin

Die „tollen Knollen“ schmecken nicht nur in jeglicher Form lecker, sondern ihnen werden seit jeher auch heilende Kräfte zugeschrieben, die vielerlei gesundheitliche Beschwerden lindern sollen. Nachfolgend sind einige Erkrankungen aufgeführt, bei denen die Kartoffel als Hausmittel eingesetzt werden kann.
Die Erdäpfel sind ein ausgezeichneter Wärmespeicher und können bei vielen Beschwerden Linderung verschaffen. Gekochte, noch heiße Kartoffeln auf einem Leinentuch zerdrückt und als Wickel um den Hals gelegt, helfen bei Hustenreiz und Halsschmerzen. Bei Nasennebenhöhlenentzündungen soll eine heiße Kartoffelauflage auf dem Nasenbereich schleimlösend und schmerzlindernd wirken. Selbst Frostbeulen können durch das Auflegen von warmen, zerdrückten Pellkartoffeln behandelt werden, wie es in alten Büchern über Hausmittel nachzulesen ist.
Wird man von Zahnschmerzen gequält, hilft kurzfristig ein heißer Erdapfel, der in einem Leinensäckchen an die entsprechende Backe gehalten wird. Allerdings sollte nach der ersten Linderung dennoch ein Zahnarzt aufgesucht werden.
Bei rheumatischen Gliederschmerzen oder Gicht wird ein Bad in rohen, geriebenen Kartoffeln, die mit heißem Wasser übergossen werden, empfohlen.
Als Mittel gegen Kopfschmerzen kann man rohe Kartoffeln auf die Stirn legen und auch bei kleinen Verbrennungen soll das Auflegen von rohen, geriebenen Kartoffeln, die man nach jeder Stunde wechselt, wahre Wunder bewirken.
Doch auch zur innerlichen Anwendung setzte man die Kartoffel gerne ein: Der Saft frisch geriebener Kartoffeln soll Verdauungsprobleme, Magenverstimmungen und Sodbrennen lindern. Bei einer Übersäuerung des Magens wurde empfohlen, über längere Zeit täglich Kartoffelbrei zu essen; selbst bei chronischer Verstopfung helfe es – so die Aussage in Büchern über Hausmittel – zu allen drei Hauptmahlzeiten viele Kartoffeln, möglichst als Brei, zu essen.

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So ungewöhnlich wie eine Kartoffel wachsen kann, so vielfältig sind auch ihre Verwendungsmöglichkeiten. Foto: Emmerich

Die Kartoffel als Schönheitspflege

Wellness für die Haut ist zu guter Letzt auch mit Kartoffeln möglich. Gerade bei fettiger Haut, Pickeln oder Mitessern können Masken und Lotion aus der „tollen Knolle“ hergestellt werden: So wird beispielsweise empfohlen, eine in der Schale gekochte Kartoffel zu schälen und fein zu zerdrücken, zwei Esslöffel Milch und einen Teelöffel Zitronensaft darunterzumischen und das Ganze dann auf die Haut aufzutragen und 20 Minuten einwirken zu lassen.
Eine Gesichtslotion für fettige und normale Haut stellt man wie folgt her: Für ein Glas Kartoffelsaft zerreibt man eine rohe, gewaschene Kartoffel auf einer feinen Reibe und drückt den Brei in einem Gazetuch aus. Dies vermischt man anschließend mit einem Glas Tomatensaft. Einen Wattebausch damit tränken und morgens und abends auf das gereinigte Gesicht auftragen. Die Lotion sollte man im Kühlschrank aufbewahren.
Wer mit Augenringen zu kämpfen hat, kann auch auf die Kartoffel setzen. Wenn man eine rohe Kartoffel schält, fein reibt, auf die Augen aufträgt und das Ganze dann zehn Minuten einwirken lässt, bevor man die Maske wieder abspült, sollen angeblich die Augenringe verschwinden.

Ihr seht, die Kartoffel ist wirklich absolut vielseitig einsetzbar. Probiert doch selbst einmal die verschiedenen Sorten aus.

Eure Martina

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