Tiefgekühlte Waben für besonderen Honiggenuss

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Honigbienen sind ein wichtiger Bestandteil der Natur. Foto: Manfred Maiwald

Anlässlich des heutigen Nationaltages der Honigbiene dreht sich mein Blogbeitrag diesmal um das Thema „Urban Gardening und Honig“. Nicht nur auf dem Land, auch in den Städten ist Gärtnern wieder angesagt: In Klein- und Freizeitgärten, in Baulücken, auf Haus- und Tiefgaragendächern werden Beete angelegt. Doch nicht nur das. Viele Engagierte kommen so auch zum Imkern.


Wer pflanzt und seinen Garten pflegt, möchte auch, dass dieser Früchte trägt. Dafür sind als Bestäuber Bienen notwendig. Die Nützlinge dürfen rechtlich gesehen in ihren Bienenstöcken überall dort aufgestellt werden, wo es nach Absprache mit dem Förster oder Grundstücksbesitzer erlaubt ist – idealer Weise in Gärten, Parks, Friedhöfen, Streuobstwiesen, Alleen oder Wäldern, aber auch auf Flachdächern oder Balkonen, wenn Anwohner oder Spaziergänger nicht belästigt werden.

Während die Bienen auf dem Land hauptsächlich Rapsblüten anfliegen, erwartet sie in den Städten ein wesentlich breiteres Angebot bei der Pollen- und Nektarsuche. Schließlich bemühen sich Stadt und Bewohner, dass es in den Parks, Privatgärten und Balkonen bunt blühe. Das sorgt dann wiederum für einen leckeren Honig.

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Honigbienen tragen durch die Bestäubung der Blüten zu reicher Ernte in Garten und Landwirtschaft und zur Erhaltung der einheimischen Natur bei. Foto: Manfred Maiwald

Neben den Privatpersonen sind mittlerweile auch einige Hoteliers unter die Imker gegangen: In Kopenhagen gibt es ein Imkerprojekt auf einem Hotelhochhaus und auch Hoteldirektor Rolf Slickers beherbergt acht Bienenvölker auf dem Dach des Pullman-Hotels in der Kölner Innenstadt, schleudert die Waben und füllt den Honig in Gläsern ab. Nochmals andere Wege geht Marian Schneider, Gastronomischer Direktor des Restaurants & Hotels Lago und Restaurant BellaVista in Ulm: „Im Rahmen unseres Anspruchs, möglichst alles selbst herzustellen, kamen wir auch auf die Idee, eigenen Honig zu produzieren. Dafür wollten wir aber nicht nur einfach Bienen halten, sondern dann auch etwas besonders daraus machen: Wir wollten Wabenhonig herstellen.“ In arabischen Ländern, Griechenland, Thailand oder Afrika ist Wabenhonig Normalität. Dort werden die Waben sogar komplett verzehrt: ausgekratzt und mit dem Wachs gegessen, was im Übrigen sehr gesund ist. Vor etwa drei Jahren begann man im Ulmer Hotel mit fünf Völkern, die von zwei professionellen, hauptberuflichen Imkern betreut werden. Bereits im ersten Ertragsjahr kamen dabei 300 Kilogramm Wabenhonig und etwas Schleuderhonig heraus.

Honiggenuss in neuer Form

Da für das Vorhaben „normale“ Bienenwaben zu groß waren, haben die Lago-Imker den Bienen kleine Rähmchen gebaut. Diese wurden in die Stöcke eingesetzt und von den Bienen gut angenommen. Der Gastronomische Direktor erklärt weiterhin: „Aus Respekt vor den Tieren zerstören wir die Honigwaben nicht, sondern lassen den Honig nur herauslaufen.“ Dazu verwendet Schneider den Frilich-Honigwabenhalter Connect, der für die Präsentation der Original-Wachswabe auf dem Frühstücksbuffet konzipiert wurde. Hier können Nicot-Rahmen der Größe 105 x 130 Millimeter zum Einsatz kommen, die – einmal von den Bienen mit Waben und Honig befüllt – lediglich in den schrägen Wabenhalter eingeschoben werden müssen. Sobald die Waben mit dem Löffel oder Messer geöffnet werden, fließt der Honig aus. Im Honigwabenhalter wird die Bienenwabe hygienisch mit einer transparenten Kunststoffblende abgedeckt. Für eine sehr bequeme Entnahme des Honigs direkt aus der Wabe lässt sich die Blende hochklappen. „Mit einem Nicot-Rahmen, den die Bienen beidseitig mit Waben und Honig gefüllt haben, können ohne weiteres zwei bis drei Tage lang insgesamt bis zu 100 Frühstücksgäste bedient werden“, erläutert Marian Schneider, der den Wabenhalter für sich weiterentwickelt und mit einer Plattenheizung im unteren Bereich versehen hat. Durch die entstehende Wärme wird der Honig flüssig und kann so aus der Wabe laufen. „Die leer gelaufene Honigwabe setzen wir dann wieder in den Bienenstock und die Bienen „reparieren“ sie“, so Schneider.

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Mit dem Honigwabenhalter Connect von Frilich kann Honig ganz naturbelassen und direkt aus der Wabe serviert werden. Foto: Frilich

Die Hotelgäste zeigen sich vom authentischen, unverfälschten Wabenhonig begeistert. Viele sehen zum ersten Mal im Leben eine Honigwabe. „Dabei reagiert unser internationales Publikum ganz verschieden: Ein Türke weiß sofort Bescheid und macht – wie in seiner Heimat – die Waben beim Auskratzen kaputt. Chinesen drücken auf den Wabenhalter wie auf einen Spender und Gäste aus Deutschland sind erst einmal fasziniert von der Technologie“, schmunzelt der Gastronomische Direktor.

Da eine Biene nur Honig produziert, wenn es Blüten gibt, die Gäste jedoch das ganze Jahr über Honig aus den Waben genießen wollen, werden die Waben eingefroren. „Da Honig einen recht geringen Wasseranteil von um die 17 Prozent hat, lässt er sich gut einfrieren. Die Waben werden von den Bienen bereits verdeckelt und von uns noch einmal vorsichtig eingepackt. Dann werden die Waben bei minus 40 Grad schockgefrostet und anschließend in der Tiefkühlung gelagert. Hier halten sich die Waben dann mindestens ein Jahr ohne Qualitätsverlust“, weiß der Hobbyimker. Vor Gebrauch wird die Wabe dann ganz langsam wieder aufgetaut, das stört weder den Honig noch das Wachs.

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Die Honigwaben werden tiefgefroren und vor dem Einsatz im Wabenständer langsam wieder aufgetaut. Foto: Restaurant & Hotel Lago

„Das Tiefkühlen ist in meinen Augen die beste Möglichkeit der Haltbarmachung“, so Marian Schneider. Das können auch Imker aus ganz Deutschland bestätigen. Bruno Binder-Köllhofer, Fachberater für Imkerei & Ausbildungsberater Tierwirt Imkerei, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), weiß zudem: „Heidehonig und gegebenenfalls lange flüssig bleibende Honige wie Wald-, Tannen- und Edelkastanienhonig lassen sich besonders gut als Wabenhonig anbieten.“ Allerdings sei der Aufwand Wabenhonig zu produzieren vergleichsweise hoch und die Ernte deutlich geringer als bei Schleuderhonig.

Stadtimkern leicht gemacht

Wer selbst Imker werden und seinen eigenen Honig produzieren will, dem wird der Start leicht gemacht: Viele Imkervereine bieten Lehrgänge zum Imkern an und begleiten Neueinsteiger gerne mit Rat und Tat durchs erste Jahr. „Um Bienen zu halten, spielen Alter und Beruf keine Rolle, aber ohne eine sachgemäße Ausbildung und Unterstützung durch einen erfahrenen Imker kann man auch schnell enttäuscht werden. Die Vorbeugung von Bienenkrankheiten spielt hierbei eine oft unterschätzte Rolle.“, sagt Dr. Gisbert Döpke, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit, Landesverband der Imker Weser-Ems e.V. Es müssen nur ausreichend Platz und Kenntnisse in der Bienenhaltung vorhanden sein, ergänzt Bruno Binder-Köllhofer. Wichtig sei zudem, dass die auf Krankheiten untersuchen Bienenvölker bei der zuständigen Veterinärbehörde angemeldet würden und man sich an die Honigverordnung halte, wenn man Honig in Verkehr bringen will.

Lust auf (eigenen) Honig bekommen? Dann nehmt doch mal Kontakt zu einem Imkerverein bei Euch vor Ort auf. Ein faszinierendes Hobby – das nicht nur für ein leckeres und gesundes Produkt sorgt, sondern auch noch gut für Garten und Landwirtschaft ist.

In diesem Sinne: Genießt den nächsten Honig besonders bewusst! Eure Martina

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