Streifzug durch Edinburghs Pub-Szene

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Ein Pub-Abend in Edinburgh ist immer ein Erlebnis. Foto: Emmerich

Pubs gehören zum schottischen Leben wie der Whisky und die Highlands. Von daher darf eine Pubtour bei einem Edinburghbesuch keinesfalls fehlen. Auswahl gibt es reichlich und für jeden Geschmack ist bestimmt die richtige Location mit dabei. Entlang des Grassmarkets und des Bogens zur George IV Bridge reihen sich nahezu Pub an Pub, die nur so um die Touristen buhlen und mit tollen Namen und noch besseren Geschichten rund um schräge und dunkle Gestalten der Stadtgeschichte aufwarten.


Elephant house
Ein Anziehungspunkt für alle Harry Potter-Fans ist das Elephant House. Foto: Emmerich

Darunter ist beispielsweise auch „Maggie Dicksons“ oder aber das „Elephant House“. Zum Letztgenannten, über und über mit Elefanten bestückten, alternativen Café pilgern vor allem auch die Harry Potter-Fans. Denn die Bestsellerautorin Joanne K. Rowling saß hier oft an einem Fenster im Hinterzimmer und hat sich vom Ausblick auf das Edinburgher Schloss, den Greyfriars Friedhof und die angrenzende Privatschule zu ihren Abenteuern rund um die magische Hogwartsschule inspirieren lassen.

Wer es lieber etwas ruhiger und authentischer mag, der schlägt seinen Weg entlang der Highstreet Richtung Waverly oder Princes Street Gardens ein, kommt an Bars mit klangvollen Namen wie „Angels with Bagpipes“ vorbei, bevor es dann durch die für Edinburgh so besonderen engen Closes am „Half way house“ vorbeigeht.

Café Royal- Außenansicht
Allein schon wegen des Ambientes ist das Café Royal einen Besuch wert – und ein guter Ausgangspunkt für die Pubtour durch die gregorianische „Neustadt“ von Edinburgh. Foto: Emmerich

Auf der anderen Seite der Princes Street Gardens, parallel bzw. hinter der Einkaufsmeile Princes Street verlaufend, erstreckt sich die nächste Pubmeile im gregorianischen „neuen“ Teil der Stadt – und im, wie die Ian Rankins-Fans wissen, John Rebus-Revier. Im östlichen Teil kann man bereits am Mittag mit dem Royal Café beginnen und sich im Laufe des Nachmittags und Abends dann nach Westen vorarbeiten: Das Café Royale ist mit seiner gemütlich alten, viktorianisch gehaltenen Einrichtung und den beeindruckenden alten Glas- und Spiegelarbeiten auf jeden Fall einen Besuch wert. Hier lässt es sich für die Pubtour durch Edinburgh gut stärken – und zwar mit leckeren, schottischen Gerichten. An der Bar kommt man rasch mit den Einheimischen ins Gespräch, während man von den kleinen Bartischen oder den Ecknischen aus einen guten Blick über das Cafégeschehen hat, verweilen, beobachten und genießen kann. Das jüngere Publikum wird derzeit wohl eher von „The Standing Order“ angezogen, einer ehemaligen Bank, die mit ihren weitläufigen Räumen und Hallen heute unzähligen Gästen zur Stärkung mit Speisen und Getränken zur Verfügung steht und auch am späten Abend noch eine gute und günstige Anlaufstelle bietet.

Oxfordbar
In die Oxford Bar kehrt Mann gerne ein, um Freunde zu treffenu und mit ihnen bei einem Pint zu diskutieren. Foto: Emmerich

Schon eher ein wenig versteckt gelegen und ein Geheimtipp, den nicht nur die Ian Rankins-Fans zu schätzen wissen, ist die „Oxford Bar“, in der die Hauptfigur des Krimi-Autors sich zwischendurch ein Päuschen oder einen Drink zum Ausklang des Tages gönnt. Weit über die Grenzen Schottlands hinaus bekannt, wird der Besucher erstaunt sein, wie klein und heimelig es hier ist: Im Barraum herrscht bereits Überfüllung, wenn mehr als fünf Gäste gleichzeitig am Tresen stehen, um sich ein Draught oder wie John Rebus einen rauchigen und torfigen Malt-Whisky zu bestellen. Wenige Stufen treppauf im kleinen Nebenraum, der „Carousel Lounge“, versammeln sich dann die Herren der Schöpfung, um über Politik oder das Tagesgeschäft zu philosophieren, die Zeitung zu lesen oder eben im Kreise von Freunden stillschweigend den „liquid sunshine“ zu genießen. Mit erstaunten, aber keineswegs unfreundlichen Blicken wird man hier auch als Frau und Touristin herzlich aufgenommen.

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Alleine still genießend, zeitungslesend oder in Gesellschaft – so kann man den Tag in einer der vielen Edinburgher Bars ausklingen lassen. Hier zum Beispiel in Whighams Wine Cellars. Foto: Alexander Burt

In Whighams Wine Cellars, im Souterrain eines schicken Stadthauses gelegen, kommen nicht nur die Weintrinker im Rahmen der Pubtour auf ihre Kosten. Das mehrfach ausgezeichnete Weinlokal bietet neben einer Vielzahl an edlen Tropfen jeglicher Art eine authentische und entspannte Atmosphäre um den Abend ausklingen zu lassen oder in Gesellschaft die kulinarischen Highlights der Küche – vor allem Meeresfrüchte und frisch zubereitete Gerichte – zu genießen. Auch hier haben die Gäste die Wahl: Zurückgezogen in kleinen Nischen, an großen Tischen oder an der Bar lässt es sich gut plaudern und genießen.

Eine ganz andere Welt erwartet den Besucher in Mathers Bar gleich um die Ecke, das zu den ältesten historischen Pubs in Edinburgh zählt. Die Auswahl an Getränken ist reichlich, dafür wird dagegen an der Möblierung gespart. Wenige Tische stehen den Gästen zur Verfügung; hier ist man es gewohnt, sich an der Theke zu versorgen und dann im Raum stehend, mal hier, mal dort mit den übrigen Gästen ins Gespräch zu kommen, während im Hintergrund die wichtigsten Sportereignisse am Bildschirm mitverfolgt werden können.

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Bei einer Pubtour vergeht die Nacht wie im Nu. Foto: Alexander Burt

Vom rustikalen, historischen Pub über diejenigen mit regelmäßiger Live-Musik oder Themencharakter bis hin zu den Trendbars, die dem internationalen Mainstream entsprechen, stehen den Pubbesuchern zahlreiche Varianten zur Verfügung, die man gar nicht alle bei einem  Edinburgh-Aufenthalt kennen lernen und erleben kann. (Wer auf der Suche nach den aktuellen In-Pubs ist, erfährt auf der Internetseite des Schottischen Fremdenverkehrsamtes, welches die derzeit angesagtesten fünf Pubs in Edinburgh sind. Ein Erlebnis ist solch ein feucht-fröhlicher, manchmal auch genießerisch-stiller Pubabend in jedem Fall: Abhängig davon, mit wem man unterwegs ist und in welche Lokalität es einen verschlägt, trifft man auf Prominente, Originale oder „stag and hen“-Partyleute, die, wenn sie ausgehen, immer in bester Feierlaune sind. Von daher ist es auch nicht ungewöhnlich, dass man sein Pint oder seinen Whisky nicht alleine trinkt – an der Bar werden in der Regel rundenweise die Getränke geordert. Da kann es dann schon mal passieren, dass man mit einem Glas mehr in der Hand als beabsichtigt dasteht. Nicht umsonst heißt es in einem der schottischen Sprichwörter über Whisky: „Ein Glas ist fabelhaft, zwei sind zu viel, drei sind zu wenig…“

Wer nun Lust bekommen hat, Schottland und seine Pubs sowie den landestypischen Whisky auf eigene Faust zu entdecken, dem kann ich eine Pubtour durch Edinburgh wirklich empfehlen. Ein weiteres Highlight, dass man sich als Schottland-Fan auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte, ist das Bloody Scotland Festival in Stirling vom 9. bis 11. September 2016. In der nordwestlich von Edinburgh gelegenen schottischen Stadt findet in dieser Zeit nämlich das „International Crime Writing Festival“ statt.

Eure Martina

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